Globale Gesundheitsversorgung

Ausgabe: 3/2022

68. Jahrgang

Jahrgang: 2022

Inhalt: Ausgabe

Globale Gesundheit und Ethik: Wo stehen wir heute?

Bonk, Dr. Mathias • Döring, Prof. Dr. Ole

Die Globale Gesundheit verfolgt einen salutogenen Ansatz. In Zeiten multipler globaler Herausforderungen hat die Bearbeitung transnationaler Gesundheitsfragen an den Schnittstellen von Politik, Wissenschaft und Gesellschaft große Bedeutung. Hier kann Ethik als Pragmatik guter Praxis helfen, das breite Kontinuum latenter bis manifester Krisen mit Augenmaß zu strukturieren, mögliche Ziele integrativ zu priorisieren und in die gebotene Schrittfolge von abgestimmten Maßnahmen zur Erreichung von globaler Gesundheit und Frieden zu übersetzen.

Das Menschenrecht auf Gesundheit, seine inhaltliche Einbettung und institutionelle Absicherung

Bruchhausen,Walter • Kuhn,Eva

Das Recht auf Gesundheit, verstanden als umfassende Ansprüche und Ziele weit über den Gegenstand von Medizin hinaus, ist vielfältig institutionell abgesichert. Primär haben Staaten die Pflicht, die Menschenrechte zu achten, zu schützen und zu erfüllen. Ihre Tätigkeiten werden durch verschiedene UN-Organisationen, vor allem die WHO, sowie Nichtregierungsorganisationen ergänzt. Doch auch die Privatwirtschaft sowie informelle Institutionen - wie beispielsweise Sozialkapital und Gesundheitsidentität - können das Menschenrecht stärken oder schwächen.

Arzneimittelpreise zwischen ökonomischen Partikularinteressen und gerechter globaler Verteilung

Häussler,Bertram

Eine Spritze für zwei Millionen Euro, ein Blutdrucksenker für weniger als einen Cent pro Tablette: Arzneimittelpreise unterscheiden sich extrem und lösen deshalb Kontroversen aus. Der Beitrag erklärt, wie es zu diesen Preisunterschieden kommt. Er beschreibt ein historisch gewachsenes, international geltendes System der Preisbildung, das durch die Sicherung von Marktexklusivität zwar zu temporär hohen Preisen führt, langfristig jedoch global eine kostengünstige Versorgung mit Arzneimitteln sichert. Allerdings setzt dies zahlungskräftige Sozialsysteme voraus. Dies wiederum benachteiligt ökonomisch schwächere Länder beim Zugang zu innovativen und hochpreisigen Medikamenten. Doch die Krankheitsbilder in Entwicklungsländern werden sich künftig denen in Industrieländern annähern. Infolge dessen wird auch die Relevanz breit eingesetzter, inzwischen kostengünstiger Innovationen wie Herz-Kreislaufmittel steigen.

Globale Versorgung mit sicheren Arzneimitteln - eine Einschätzung

Holzgrabe,Ulrike

Die Herstellung von Arzneistoffen und Arzneimitteln ist ein hoch regulierter Prozess, der von Qualitätssicherung begleitet wird. Zur Wahrung der Qualität ist dies notwendig, da die Herstellung des Arzneistoffes und der Hilfsstoffe, die Verarbeitung zum Arzneimittel, d. h. die Formulierung, die Verblisterung und Verpackung zu einem Medikament ein globalisierter Prozess mit vielen Beteiligten ist. Die internationalen Regularien und verwendeten Analytik-Methoden werden hier dargestellt und gewertet.

Globale Gesundheit und Option für die Armen: eine Mammutaufgabe für die katholische Kirche in Deutschland

Kuhnert,Michael

Trotz Verbesserungen durch die Millenniums- und die Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) war die Gesundheitsversorgung der Ärmsten vor der COVID-19-Pandemie immer noch unbefriedigend. Durch die Pandemie hat sich deren Gesundheit drastisch verschlechtert. Die katholische Kirche als ein bedeutender Akteur der globalen Gesundheit ist aufgerufen, ihre Zuwendungen im Gesundheitsbereich deutlich zu erhöhen und transparenter zu machen, die mentale Gesundheit besonders zu stärken, mehr politische Anwaltschaft zur Verbesserung der Gesundheit zu übernehmen und den CO2-Ausstoß in ihren (Gesundheits-)Einrichtungen zu senken.

Das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz im zehnten Jahr: eine Bilanz aus gesundheitsethischer Perspektive

Roth,Benjamin

Das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz ist seit Anfang 2011 in Kraft. Es regelt erstmals die Preisfindung für patentgeschützte Arzneimittel, die Zugang zum deutschen Markt begehren. Ziel des Gesetzes war es, einerseits die enormen Preiszuwächse im Bereich der Arzneimittelinnovationen für die Krankenkassen in den Griff zu bekommen und gleichzeitig Anreize für echte Innovativität zu setzen sowie Versorgungsausfälle zu vermeiden. Im zehnten Gesetzesjahr wird nun untersucht, was die normativ-ethischen Prämissen und Zielvorstellungen waren, ob sie erreicht worden sind und ob oder wo es Ansatzpunkte für Kritik oder Verbesserungspotenzial gibt. Gemeinwohl und Innovativität stellen dabei die zentralen normativen Bewertungsprinzipien dar.

Warum gibt es den Deutschen Ethikrat? Zur Entwicklung der institutionalisierten Politikberatung

Fischer,Theresa • Bauer,Axel W.

Durch die schnell fortschreitenden Entwicklungen in der lebenswissenschaftlichen Forschung und den daraus resultierenden Wissenszuwachs hat sich das Ausmaß der wissenschaftlichen Politikberatung zwischen etwa 1980 und 2020 deutlich gesteigert. In Deutschland übernehmen Ethikräte diese ausdifferenzierte Aufgabe der Politikberatung. Zur institutionalisierten Ethikberatung wurde im Jahre 2008 der Deutsche Ethikrat (DER) eingesetzt. Dieser dient der Politikberatung wie der Information der Öffentlichkeit. In dieser Studie werden die Umstände der Gründung des DER und die sich ihm stellenden Herausforderungen untersucht, nämlich 1.) die strukturelle Abhängigkeit von den Verfassungsorganen, 2.) der Umgang des Rates mit der Politik und 3.) die Umsetzung der Beratungsergebnisse durch die Bundesregierung und den Deutschen Bundestag.

Andreas Frewer/Lutz Bergemann/Elisabeth Langmann (Hg.), Unsicherheit in der Medizin. Zum Umgang mit Ungewissheit im Gesundheitswesen (Jahrbuch Ethik in der Klinik, Bd. 13), Würzburg (Könighausen & Neumann) 2020, 388 Seiten.

Specht,Anne

Walter Schaupp/Wolfgang Kröll (Hg.), Spanungsfeld Pflege. Herausforderungen in klinischen und außerklinischen Settings, Baden-Baden (Nomos) 2020, 146 Seiten.

Brandenburg,Hermann

Stephan Sahm, An der Seite des Lebens. Ethische Herausforderungen in Palliativmedizin und -pflege (Franziskanische Akzente, Bd. 29), Würzburg (Echter Verlag) 2021, 112 Seiten.

Bleyer,Bernhard