Schweigepflicht und Patientenrechte

Ausgabe: 3/2005
(nur Online verfügbar)

51. Jahrgang

Hans-Joachim Lang, Die Namen der Nummern. Wie es gelang, die 86 Opfer eines NS-Verbrechens zu identifizieren, Hamburg (Hoffmann und Campe) 2004, 303 Seiten.

Wiesing, Urban

Dieses Buch ist außergewöhnlich. Es berichtet von einem der schrecklichsten Verbrechen nationalsozialistischer Ärzte. August Hirt, Anatomieprofessor an der Reichsuniversität Straßburg, wollte für künftige »judenfreie« Zeiten zur wissenschaftlichen Dokumentation eine jüdische Skelettsammlung anlegen. Mit Unterstützung der SS-Wissenschaftsorganisation »Ahnenerbe« und einiger Kollegen wurden 1943 in Auschwitz 86 Juden ausgewählt, in das KZ Natzweiler-Struthof im Elsass gebracht, vergast und an das Straßburger anatomische Institut »geliefert«. Dort lagerten sie, weil sich der Aufbau der Sammlung verzögerte. Die Alliierten entdeckten das Verbrechen; es war Gegenstand des Nürnberger Ärzte-Prozesses und späterer gerichtlicher Verfahren. Die Opfer wurden nach der Untersuchung anonym in einem Massengrab bestattet. Niemand kannte die Namen der 86 ermoderten Juden, 29 Frauen, 57 Männer. Hans-Joachim Lang hat sie, 61 Jahre nach der Tat, herausgefunden.

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