Neue Entwicklungen in der Fortpflanzungsmedizin

Ausgabe: 2/2016

62. Jahrgang

Aktueller Stand der Reproduktionsmedizin

Kentenich,Heribert;Jank,Alexander;Sibold,Claus ;Tandler-Schneider,Andreas

Nach der Geburt des ersten IVF-Kindes im Jahre 1978 ist die außerkörperliche Befruchtung (In-vitro-Fertilisation) mittlerweile zu einem Standardverfahren der Sterilitätstherapie geworden. Jährlich werden in Deutschland über 80 000 Behandlungszyklen durchgeführt, die eine durchschnittliche Geburtenrate von etwa zwanzig Prozent pro Embryotransfer aufweisen. Die kumulative Geburtenrate bei der Anwendung von drei Behandlungszyklen liegt bei über 50 Prozent. Das medizinische Hauptproblem ist die hohe Rate an Mehrlingsschwangerschaften von etwa zwanzig Prozent mit einhergehenden vermehrten Risiken für Mütter (z. B. im Rahmen einer Präeklampsie) und für Kinder hinsichtlich einer erhöhten Frühgeburtenrate (z. B. Unreife der Lunge, cerebrale Probleme). Auch bei Einlingsschwangerschaften werden die Kinder häufiger zu klein und zu früh geboren. Daher ist eine sorgsame Aufklärung der Paare vor der Behandlung notwendig. Neue Labormethoden tragen zur Erhöhung der Erfolgsrate bei. Die Kryotechnik der Vitrifizierung erlaubt es, Eizellen, Vorkernstadien und Embryonen einzufrieren, wenn diese im akuten Behandlungszyklus nicht benötigt werden. Die kontinuierliche Beobachtung der Embryonen mit Zeitraffer-Aufnahmen (Time-Laps Imaging) trägt dazu bei, entwicklungsfähige Embryonen besser zu identifizieren. Die Bezahlung in Deutschland wird bei gesetzlich versicherten Patienten im Vergleich zum Ausland restriktiv gehandhabt, da bei Ehepaaren grundsätzlich nur drei Behandlungsversuche zur Hälfte bezahlt werden. Nicht verheiratete Paare erhalten keine Kostenerstattung. Die aktuellen juristischen Regelungen im Embryonenschutzgesetz sind ein wesentliches Problem. So bleibt unklar, wie viele befruchtete Eizellen kultiviert werden dürfen, um zum Transfer von einem bis drei Embryonen zu kommen. Auch das Verbot der Eizellspende erscheint aus medizinischer, psychologischer und ethischer Sicht nicht nachvollziehbar.

Tags: Reproduktionsmedizin aktuelle Aspekte Entwicklungen

After delivery of the first IVF child in 1978 the in-vitro-fertilization (IVF) became a standard procedure in sterility treatment. In Germany 80 000 IVF/ICSI-cycles per year are performed with a delivery rate per embryo transfer of about twenty percent. The cumulative delivery rate after three trials is more than 50 percent. The main medical problems are the high multiple pregnancy rate of more than twenty percent with increased risks for mothers (preeclampsia) and children (preterm delivery, immaturity of lung, brain problems). Also singleton babies after IVF are more often too small (small for gestational age, SGA) and preterm delivered. As a result, a proper counselling is necessary. New methods at the laboratory increase the success rate. Cryopreservation techniques as vitrification are standards to freeze oocytes, pronucleus stages and embryos, if they are not needed at the current treatment cycle. Continuous observation of embryos by time-laps imaging helps to identify the best embryos for transfer. The reimbursement for public insured patient is restricted in comparison with other European countries. Married couples receive half of the payment for three IVF/ICSI cycles. Not married couples receive no payment at all. The German legal background given in the embryo protection law (Embryonenschutzgesetz) is the main problem. It is unclear how many fertilized oocytes can remain in the embryo culture to transfer one to three embryos. The prohibition of oocyte donation is not comprehensible from a medical, psychological and ethical point of view.

Tags: reproductive medicine current status developments

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