Reform der Pflegeberufe

Ausgabe: 1/2021

67. Jahrgang

Jahrgang: 2021

Inhalt: Ausgabe

Verantwortlich für die allgemeine Pflege. Hintergründe, Ziele und zentrale Innovationen der Pflegeberufereform

Hundenborn, Gertrud

Viele Jahre später als in den meisten europäischen Ländern ist in Deutschland die Pflegeausbildung grundlegend reformiert worden. Das neue Pflegeausbildungskonzept ist ausgerichtet auf die Kompetenzen, die für die Pflege von Menschen aller Altersstufen in komplexen Pflege- und Lebenssituationen und in verschiedenen Settings erforderlich sind. Teile der Berufsausübung sind künftig rechtlich geschützt. Die Ausbildung kann an Pflege- und Hochschulen absolviert werden.

Interprofessionalität in der Pflegeausbildung - (inter-)nationale Reformen, Erfahrungen und Perspektiven

Ewers, Michael • Herinek, Doreen • Glunde, Bettina

Der Ruf nach mehr Interprofessionalität in der Gesundheits- und Sozialversorgung ist nicht neu, ebenso wenig die Forderung, die Gesundheits- und Sozialberufe besser auf kooperatives Versorgungshandeln und geteilte Verantwortlichkeiten vorzubereiten. Dabei rückt mehr und mehr die grundständige Ausbildung ins Blickfeld sowie deren Möglichkeiten zur frühzeitigen Anbahnung interprofessioneller Kompetenzen - auch in der Pflege. In diesem Beitrag fragen wir nach Reformen der Pflegeausbildung, der Anbahnung interprofessioneller Kompetenzen und nach dazu vorliegenden (inter-)nationalen Erfahrungen. Schließlich diskutieren wir einige Herausforderungen und Risiken für die interprofessionelle Bildungsarbeit im Kontext der Pflegeausbildung.

Vorbehaltsaufgaben und Heilkundeübertragung - Pflege in neuer Verantwortung?

Klie, Thomas

Mit dem Pflegeberufegesetz wurde Pflegefachkräften die Pflegeprozesssteuerung als ein eigener Aufgabenbereich übertragen. Dieser beruferechtlich absolut wirkende Fachvorbehalt wurde in der Langzeitpflege bereitsmit Einführung der Pflegeversicherung im Sozialleistungsrecht verankert. Insbesondere in der klinischen Versorgung wirft er vielfältige Fragen der Abgrenzung zwischen ärztlichen und pflegerischen Verantwortungsbereichen und der berufsgruppenübergreifenden Kooperation auf. Der Beitrag widmet sich der Geschichte der Vorbehaltsaufgaben, arbeitet ihren Kern heraus, diskutiert Streitfragen und stellt den Zusammenhang zu Fragen der Heilkundeübertragung her.

Palliative Versorgung - die Bedeutsamkeit, die (interprofessionellen) Perspektiven zu wechseln und zu erweitern

Riedel, Annette

Situationen und Entscheidungen im Rahmen der palliativen Versorgung fordern ein hohes Maß an fachlicher und ethischer Expertise, die interprofessionelle Wahrnehmung und Einschätzung aus unterschiedlichen (professionellen) Perspektiven und vielfach eine bewusste (persönliche) Perspektivenerweiterung ein. Das interprofessionelle Zusammenwirken und die ethische Sensibilität für die beteiligten, die wirkenden und die tangierten professionellen Perspektiven, insbesondere aber die Perspektive der Patienten, sind grundlegend für eine qualitätsvolle und an der Lebensqualität orientierte Palliativversorgung.

Kollektive Interessenvertretung von Altenpflegekräften aus Geschlechter-Perspektive

Auth, Diana

Die Altenpflege ist ein vergeschlechtlichtes Berufsfeld. Es handelt sich um einen traditionellen Frauenberuf, dessen berufsethische Vorstellungen durch weiblich konnotierte Fürsorglichkeit und christliche Nächstenliebe geprägt sind. Diese geschlechtlichen Zuschreibungen haben Auswirkungen auf die geringe kollektive Interessenvertretung (weiblicher) Altenpflegekräfte. Die Ursachen für den geringen gewerkschaftlichen und verbandlichen Organisationsgrad liegen u. a. im hohen Teilzeitanteil, in Formen der Selbstmarginalisierung sowie in spezifischen berufsethischen Vorstellungen, die aktuell auf eine ökonomisierte Pflegebranche mit einer zersplitterten Trägerlandschaft treffen.

Die (Alten-)Pflege braucht eine Zukunft - Ein dringender Appell an die deutsche Politik1

Brandenburg, Hermann • Bossle, Michael • Winter, Maik H.-J.

Im Hinblick auf die Pflege steht ein großer Wurf der Politik seit mehreren Jahrzehnten aus. Beobachtbar ist vielmehr eine zunehmend fragwürdiger werdende Pflegequalität. Unser Beitrag analysiert drei wesentliche Problemlagen im Zusammenhang mit der derzeitigen Pflegepolitik. Erstens wird das Spannungsfeld von Fachlichkeit und Ökonomisierung im Gesundheitswesen adressiert, insbesondere der stationären Langzeitpflege. Zweitens wird auf die Ausbildung und Nachwuchsgewinnung in der Pflege fokussiert, vor allen Dingen im Zusammenhang mit der Akademisierung des Pflegeberufs m Gesundheitswesen. Drittens wird die Frage nach einer vergleichbaren und gerechten Entlohnung gestellt.

Alt und suchtkrank? Medizinethische Aspekte der Vernachlässigung von Substanzabhängigkeit im Alter

Kadi, Selma • Ehni, Hans-Jörg

Suchterkrankungen bei älteren Menschen wurden lange Zeit wenig beachtet. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass in der Zukunft mehr Menschen in Deutschland von Sucht im Alter betroffen sein werden. Der Artikel stellt anhand der einschlägigen Literatur Hinweise auf die Folgen von Ageismus für die Behandlung von Suchterkrankungen im Alter dar. Diese werden nach den vier Prinzipien der Medizinethik von Beauchamp und Childress analysiert und bewertet. Alle vier Prinzipien werden durch Ageismus im Rahmen der Behandlung von Suchterkrankungen vernachlässigt.

Die Deklaration von Genf (WMA) und ökonomische Aspekte - Zeit für eine Ergänzung des Gelöbnisses?

Kapitza, Thomas

Im Genfer Gelöbnis (Weltärztebund) werden ökonomisch-normative Aspekte ärztlicher Berufsausübung bisher nicht benannt. Verschiedene Ethikkodex-Initiativen befassen sich inzwischen mit dem Spannungsfeld zwischen ökonomischen Aspekten und dem berufsethischen Verhalten der Ärzteschaft in Krankenhäusern. Eine Ökonomie-bezogene Ergänzung des aktuellen Gelöbnistexts erscheint sinnvoll. Die berufliche Lebensrealität von Klinikärztinnen und -ärzten könnte dadurch zukünftig umfassender im Genfer Gelöbnis berücksichtigt werden und somit das Gelöbnis stärken.

Robert C. Macauley, Ethics in Palliative Care. A Complete Guide, Oxford (Oxford University Press) 2017, 568 Seiten.

Schuchter, Patrick

Mirjam Mezger, Religion, Spiritualität, Medizin. Alternative Religiosität und Palliative Care in der Schweiz, Bielefeld (transcript Verlag) 2018, 218 Seiten.

Storms, Anna

Olivia Mitscherlich-Schönherr (Hg.), Gelingendes Sterben. Zeitgenössische Theorien im interdisziplinären Dialog (Grenzgänge 1), Berlin/Boston (De Gruyter Verlag) 2019, 352 Seiten.

Funer, Florian

Wolfram Höfling/Thomas Otten/Jürgen in der Schmitten (Hg.), Advance Care Planning - Behandlung im Voraus Planen: Konzept zur Förderung einer patientenzentrierten Gesundheitsversorgung. Juristische, theologische und medizinethische Perspektiven (Recht - Ethik - Gesundheit 8), Baden-Baden (Nomos Verlag) 2019, 267 Seiten.

Schlögel, Herbert

Corinna Rubrech, Verteilungsgerechtigkeit im Gesundheitswesen. Eine Auseinandersetzung mit der Rationierungsdebatte unter Anwendung der Gerechtigkeitstheorie von Alan Gewirth, Münster (mentis Verlag) 2016, 190 Seiten.

Fritz, Alexis