KI in der Medizin

Ausgabe: 3/2021

67. Jahrgang

Jahrgang: 2021

Inhalt: Ausgabe

Der Einsatz von IT-basierten Decision-Support-Systemen in der medizinischen Versorgung aus verantwortungsethischer Sicht

Liedtke, Wenke • Langanke, Martin

Der zunehmende Einsatz von Decision-Support-Systemen, die sich der Methoden der Künstlichen Intelligenz - 'Machine Learning' und 'Deep Learning' - bedienen, erfordert die ethische Auseinandersetzung mit den damit verbundenen Risiken. Der Beitrag stellt aus verantwortungsethischer Perspektive an drei ausgewählten Beispielen, 'Automation Bias', 'Explainability' sowie 'Datenqualität', die Herausforderungen im Umgang mit Entscheidungsunterstützungssystemen in der medizinischen Versorgung dar. Dabei werden mögliche ethische Konflikte analysiert sowie Lösungsvorschläge skizziert.

Überblick über ethische und soziale Herausforderungen im Kontext der klinischen Nutzung von KI-Systemen

Arshad, Kfeel • Schreiweis, Björn • Strodthoff, Claas • Bergh, Björn

Bei der Einführung von KI-Systemen im Krankenhaus gilt es nicht nur technische Herausforderungen zu beachten, sondern auch ethische und soziale Aspekte müssen berücksichtigt werden. In einigen Fällen fallen die technischen und sozialen bzw. ethischen Aspekte zusammen. Hierfür muss betrachtet werden, wie diese Hürden gemeistert werden können und welche Maßnahmen dafür notwendig sind.

Chancen von KI in der Onkologie am Beispiel der individualisierten Diagnostik und Behandlung von Prostatakrebs

Schlemmer, Heinz-Peter • Hohenfellner, Markus

Prostatakrebs ist eine der großen medizinischen, sozioökonomischen und damit gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen. Erfreulicherweise konnten Diagnostik und Therapie in den letzten Jahren deutlich verbessert werden. Doch damit ist die Behandlung auch komplexer und aufwendiger geworden, was eine breitflächige Maximalversorgung zunehmend erschwert. Künstliche Intelligenz (KI) bietet hier gewaltige Chancen, sowohl aus medizinischer wie auch aus ökonomischer Perspektive. In diesem Beitrag werden Potentiale und Grenzen von KI in der Krebsmedizin am Beispiel der Behandlung von Prostatakrebs vorgestellt und diskutiert.

Diskriminierungsgefahren und Regulationsansätze bei der medizinischen Nutzung von KI

Schneider, Ingrid

Der Beitrag untersucht Diskriminierungsrisiken bei Künstlicher Intelligenz in der Medizin. Hierzu wird eine legitime Differenzierung von ungerechtfertigter Diskriminierung normativ unterschieden. Praxisbeispiele analysieren verschiedene Typen (Geschlecht, ethnischer Bias), und Gegenstandsbereiche von Diskriminierungen, darunter Neurowissenschaft, Notfallmedizin und prädiktive 'Todesalgorithmen' und betonen den Gruppencharakter von Klassifizierungen. Der Zusammenhang von sozialer Ungleichheit, Diskriminierungsrisiken und gesellschaftlicher Entsolidarisierung wird ­problematisiert. Als Regulierungsansätze behandelt der Aufsatz die KI-Ethik und professionelle Selbstregulierung, Zertifizierungsmechanismen sowie den KI-Verordnungsverschlag der Europäischen Kommission.

Datenschutz im Kontext der medizinischen Nutzung von KI-Systemen: heute und morgen

Weichert, Thilo

Beim Einsatz sog. Künstlicher Intelligenz (KI) im Medizinbereich sind die ärztliche Schweigepflicht und das Datenschutzrecht zu beachten. Erfolgt keine wirksame Anonymisierung, so sind die Grundsätze der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zu beachten: Rechtmäßigkeit, Transparenz, Zweckbindung, Datensparsamkeit und Dokumentation. Mit technisch-organisatorischen Maßnahmen sollen die Rechte der Betroffenen gewahrt werden. Soll KI automatisierte Entscheidungen treffen, so sind zusätzliche Garantien nötig, um Diskriminierung oder fehlerhafte Ergebnisse zu verhindern.

Arzt - Patient - Algorithmus: Ethische und kommunikative Erwägungen zu einer KI-gestützten Beziehung

Funer, Florian

Die Nutzung von Technologien wie Machine Learning (ML) birgt zahlreiche Potentiale zur Verbesserung der medizinischen Praxis und zur Behandlung von Patienten. Dies soll insbesondere durch die Bereitstellung mehr oder weniger automatisierter Entscheidungsempfehlungen erreicht werden. Einige Hoffnungen in ML-basierte Systeme scheinen jedoch im Falle eines intransparenten Zustandekommens dieser Empfehlungen zumindest teilweise kompromittiert zu werden. Dies hält maßgebliche Konsequenzen für das Arzt-Patienten-Verhältnis bereit und kann Formen der gemeinsamen Entscheidungsfindung von Patienten und Ärzten empfindlich beschränken. Eine erfolgreiche Implementierung von ML-unterstützen Technologien wird sich daher wesentlich an einer gelingenden Integration in die Arzt-Patienten-Kommunikation bemessen.

Fragen für eine Zukunft automatisierter Entscheidungsunterstützung in der Medizin

Nagel, Saskia K.

Wie können wir von Anwendungen maschinellen Lernens profitieren, die Ärzte, Patienten und Angehörige in Entscheidungsprozessen unterstützen? Dieser Beitrag schlägt vor, automatisierte Entscheidungsunterstützung als Werkzeuge zu verstehen, die Entscheidungsprozesse und Beziehungen unterstützen können. Basis dieser Perspektive ist das Konzept der Autonomie-Unterstützung im Rahmen relationaler Autonomie, die den Einsatz von Entscheidungsunterstützungssystemen nicht als Angriff auf die Autonomie versteht, sondern als Teil eines sozial und technologisch unterstützten Prozesses.

Informed-Consent-Prozesse - Erleben und Bedürfnisse aus Sicht von Beteiligten

Petersen, Julia • Kemmer, Dominik

Informed-Consent-(IC-)Prozesse und -Bögen führen nicht immer zu Verständnis bei Teilnehmenden an Forschungsprojekten oder medizinischen Maßnahmen. Diese qualitative Interviewstudie fragt nach den Erfahrungen, Bedürfnissen und Wünschen von am IC-Prozess Beteiligten. Um Verständnis für die bevorstehenden Maßnahmen zu erzielen, sind neben dem Umgang mit Fakten-Wissen, z. B. zu Risiken einer Intervention, auch unbewusste und emotionale Prozesse maßgeblich. Einwilligende wünschen eine Aufklärung in wertschätzender Weise, die die individuelle Situation und Lebenswelt berücksichtigt und die sie derzeit vermissen. Die Vertrauensbeziehung zwischen Aufklärenden und Einwilligenden beeinflusst genauso wie der Faktor Zeit maßgeblich, ob eine Entscheidung als positiv erlebt wird.

Bewerbungsverfahren und Berufsstart für Chefärzte in der Chirurgie - welchen Stellenwert hat die Ökonomie?

Siewert, Arne C. • Wehkamp, Karl-Heinz • Vogd, Werner • Krones, Carsten J. • Allemeyer, Erik

Untersuchungsgegenstand war der Konflikt zwischen originär ärztlichen und ökonomischen Zielsetzungen in Bewerbungsphase und Berufsstart leitender Krankenhauschirurgen. Es erfolgten eine Stellenanzeigenanalyse sowie qualitative und quantitative Befragungen chirurgischer Chefärzte. Im Ergebnis wurden sowohl ein hoher Stellenwert ökonomischer Zielvorgaben und hieraus entstehender Druck auf die Zielgruppe erkennbar, aber auch eine teilweise Identifikation mit den Zielvorgaben. Gleichzeitig sehen die Befragten Potenziale zur aktiven Mitgestaltung im Konfliktfeld, welche vermehrt genutzt werden sollten.

James F. Drane, Medicine, Ethics, Religion. A Christian Bioethics and A Philosophy of Life (Acta Bioethica Supplementa. Estudios transdiciplinarios 1), Zürich (Lit-Verlag) 2018, 163 Seiten.

Buchschuster, Thomas

Mark Schweda/Michael Coors/Claudia Bozzaro (Hg.), Aging and Human ­Nature. Perspectives from Philosophical, Theological, and Historical Anthropology (International Perspectives on Aging 25), Cham 2020, 287 Seiten.

Ritzi, Sebastian

Nina Streeck, Jedem seinen eigenen Tod. Authentizität als ethisches Ideal am Lebensende, Frankfurt/New York (Campus Verlag) 2020, 356 Seiten.

Funer, Florian